Energiekosten in der Industrie systematisch senken
Steigende Energiepreise belasten industrielle Betriebe seit Jahren erheblich. Ob mittelständisches Produktionsunternehmen oder größerer Industriebetrieb – die Energiekosten gehören inzwischen zu den bedeutendsten Kostenpositionen in der Betriebsrechnung. Gleichzeitig schlummern in vielen Unternehmen erhebliche Einsparpotenziale, die noch nicht gehoben wurden. Der strukturierte Weg zu niedrigeren Energiekosten beginnt mit einer fundierten Bestandsaufnahme: dem Energieaudit.
Das Energieaudit: Grundlage jeder Einsparstrategie
Ein Energieaudit ist weit mehr als eine Pflichtübung. Für Unternehmen, die nicht als kleine oder mittlere Unternehmen (KMU) gelten, schreibt das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) alle vier Jahre ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 vor. Doch auch für KMU ist eine systematische Energieanalyse wirtschaftlich sinnvoll – unabhängig von der gesetzlichen Verpflichtung.
Im Rahmen des Audits werden alle energierelevanten Bereiche eines Betriebs erfasst: Produktionsanlagen, Druckluftversorgung, Beleuchtung, Heizung und Kühlung, Gebäudehülle sowie Prozesswärme und -kälte. Auf Basis von Verbrauchsdaten, Begehungen und Messungen entsteht ein klares Bild davon, wo Energie in welchem Umfang genutzt wird – und wo sie unnötig verloren geht.
Das Ergebnis ist eine priorisierte Liste von Einsparmaßnahmen mit konkreten Amortisationszeiten und Einsparbeträgen. Erst auf dieser Datenbasis lassen sich Investitionsentscheidungen fundiert treffen. Wer auf das Audit verzichtet und stattdessen nach Gefühl investiert, riskiert, die falschen Stellschrauben zu drehen.
Typische Einsparmaßnahmen in der Industrie
Die Bandbreite möglicher Maßnahmen zur Senkung industrieller Energiekosten ist groß. Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt vom jeweiligen Betrieb ab – dennoch gibt es Bereiche, in denen erfahrungsgemäß besonders häufig Potenzial besteht:
- Druckluft: Druckluftsysteme gehören zu den energieintensivsten Hilfsversorgungen in der Industrie. Leckageverluste von 20–30 % sind keine Seltenheit. Optimierter Betriebsdruck, regelmäßige Leckageortung und effiziente Kompressoren senken den Verbrauch spürbar.
- Elektrische Antriebe: Pumpen, Ventilatoren und Motoren laufen in vielen Betrieben noch mit ungeregelter Drehzahl. Der Einbau von Frequenzumrichtern reduziert den Stromverbrauch bei teillastbetriebenen Anlagen erheblich.
- Beleuchtung: Die Umstellung auf LED-Technik mit tageslichtabhängiger Steuerung amortisiert sich in Industriegebäuden meist innerhalb weniger Jahre und ist technisch unkompliziert umsetzbar.
- Wärmerückgewinnung: Abwärme aus Produktionsprozessen, Kompressoren oder Kälteanlagen lässt sich für Raumheizung, Warmwasserbereitung oder Prozesswärme nutzen – anstatt sie ungenutzt abzuführen.
- Gebäudehülle und Hallenheizung: Schlecht gedämmte Industriehallen oder ineffiziente Heizsysteme verursachen unnötig hohe Heizkosten. Hier sind sowohl bauliche als auch anlagentechnische Maßnahmen möglich.
- Energiemanagementsystem: Ein zertifiziertes Energiemanagementsystem nach ISO 50001 schafft strukturierte Prozesse zur kontinuierlichen Verbesserung der Energieeffizienz – und eröffnet zusätzlich steuerliche Vorteile beim Spitzenausgleich.
Wichtig ist die Priorisierung: Nicht jede Maßnahme lohnt sich gleichermaßen. Das Audit liefert die Grundlage, um nach Wirtschaftlichkeit, Umsetzbarkeit und strategischer Relevanz zu gewichten.
Förderung nutzen: BAFA und BEG für Industrie und Gewerbe
Fördermittel können die Wirtschaftlichkeit von Investitionen in Energieeffizienz deutlich verbessern. Für Industriebetriebe und gewerbliche Unternehmen stehen verschiedene Programme bereit, die gezielt genutzt werden sollten.
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert im Rahmen der Bundesförderung für Energieeffizienz in der Wirtschaft (BEW) sowohl Energieaudits als auch investive Maßnahmen. Das Programm umfasst Querschnittstechnologien wie effiziente Motoren, Druckluftanlagen, Pumpen und Wärmerückgewinnung. Gefördert werden Investitionskosten sowie Beratungsleistungen. Für Unternehmen, die ein Energiemanagementsystem nach ISO 50001 oder ein Umweltmanagementsystem nach EMAS betreiben, gelten teils erhöhte Fördersätze.
Für Maßnahmen an der Gebäudehülle oder der Anlagentechnik von Nichtwohngebäuden – also auch Betriebsgebäuden und Produktionshallen – ist die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) relevant. Über die KfW werden hier zinsgünstige Kredite und Tilgungszuschüsse für Sanierungsmaßnahmen sowie den Einsatz erneuerbarer Energien bereitgestellt.
Daneben gibt es auf Landesebene sowie über die KfW weitere Programme, die je nach Bundesland und Maßnahme zusätzlich kombiniert werden können. Ein wichtiger Hinweis: Viele Förderprogramme setzen voraus, dass der Antrag vor Beginn der Maßnahme gestellt wird. Eine nachträgliche Förderung ist in der Regel ausgeschlossen. Wer plant, Fördermittel zu nutzen, sollte die Beantragung frühzeitig in den Prozess integrieren.
Vom Audit zur Umsetzung: Der strukturierte Prozess
In der Praxis scheitern Energieeffizienzprojekte nicht selten an der Lücke zwischen Analyse und Umsetzung. Das Audit liegt vor, die Maßnahmen sind bekannt – aber der nächste Schritt bleibt aus. Ursachen sind häufig fehlende interne Kapazitäten, unklare Zuständigkeiten oder die Unsicherheit bei der Fördermittelbeantragung.
Hier ist eine begleitende Fachberatung wertvoll: Ein qualifizierter Energieberater unterstützt nicht nur bei der Analyse, sondern auch bei der Maßnahmenplanung, der Auswahl geeigneter Dienstleister und der Koordination von Förderanträgen. Gerade in mittelständischen Betrieben ohne eigene Energieabteilung ist diese Begleitung häufig der entscheidende Faktor dafür, ob Einsparpotenziale tatsächlich realisiert werden.
Energiekosten zu senken ist kein einmaliges Projekt, sondern ein kontinuierlicher Prozess. Unternehmen, die diesen Prozess strukturiert angehen – mit Audit, Maßnahmenfahrplan, Fördermittelnutzung und regelmäßigem Monitoring – erzielen dauerhaft bessere Ergebnisse als solche, die punktuell und ohne Gesamtkonzept investieren.
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SchiffersConsulting unterstützt Industrieunternehmen und gewerbliche Betriebe in der Region Aachen und deutschlandweit bei der Durchführung von Energieaudits, der Entwicklung von Einsparmaßnahmen und der Nutzung von Förderprogrammen. Dr. Mathies Schiffers ist als Energieberater und Wirtschaftsingenieur (BVFE-Mitglied) auf die energetische Beratung von Unternehmen spezialisiert.
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